Die Abteilungsleiter der 70er und 80er

August 16, 2007

Hamburg (dn) – Es gab sie, die Zeit vor “Cross Over”, “SUV”, “Coupé Limousine” und weiteren skurillen Zangengeburten der Produktmanager und Marketingstrategen. Es war die vorletzte Evolutionsstufe im Automobilbau. Richtige Limousinen mit Charakter und unverwechselbaren Eigenschaften. Hier sind sie nochmal: die Stars der oberen Mittelklasse von damals:

alfa6.jpg (c) Alfa Romeo

Der Alfa 6: Eine rassige Limousine aus Italien, die aufgrund der Ölkrise nicht, wie geplant, 1973 sondern 1979 eingeführt wurde. So wirkte das Design mit den großen Überhängen und den 14 Zoll-Rädern bei der Präsentation bereits etwas veraltet. Der Motor mit ursprünglich sechs Dellorto-Vergasern wurde bis 2005 in diversen Alfa-Modellen verwendet. Die Frontpartie des Fahrzeugs wies, abgesehen vom voluminösen Stoßfänger, durch die doppelten Rundscheinwerfer und den zu dieser Zeit bei Alfa Romeo üblichen Kühlergrilleinsatz mit Firmenlogo gewisse optische Parallelen zum ersten 7er BMW auf und positionierte den Alfa 6 schon fast in die Oberklasse.

audi200.jpg (c) Audi

Der Audi 200: Erster zaghafter Versuch von Audi im Mercedes Revier fuss zu fassen. Mit dem Typ 43 stellte Audi 1979 den ersten Audi 200 der Öffentlichkeit vor. Während für den Audi 100 der 2,1 Liter Fünfzylinder-Motor (5E) der größte erhältliche Motor war, war dieser für den Audi 200 die Grundmotorisierung im Audi 200 5E (100 kW/136 PS). Daneben gab es noch den Audi 200 5T mit einer Turboaufladung und 125 kW (170 PS). Während der Audi 100 noch in diverse Ausstattungvarianten unterteilt war (Grundmodell, L, GL und CD) hatte der Audi 200 grundsätzlich die höchste Ausstattung, die des Audi 100 CD.

bmw-e12.jpg (c) BMW AG

der BMW E12: Der erste 5er, der einem heute begegnet und man sich fragt: Wie bitte? Der soll schon 30 Jahre alt sein? Der erste 5er wurde 1972 von BMW als Nachfolger der „Neuen Klasse” auf den Markt gebracht. Das vom Designer Paul Bracq gestaltete Fahrzeug leitete eine Neuordnung der Nomenklatur be BMW ein. Fortan gab es die 3er, 5er, 6er und 7er Reihe. Für den E12 wurde ein reichhaltiges Motorenprogramm angeboten – beginnend mit dem kleinen 1,8-Liter-Triebwerk im 518, das bereits aus dem BMW 1800 bekannt war, bis hin zur kraftvollen 3,5-Liter-Maschine im gegen Ende der Baureihe in kleiner Auflage gebauten M535i.

cx.jpg (c) Citroen

Der Citroen CX: Als Nachfolger der berühmten und äußerst beliebten DS trat er ein schweres Erbe an. Viele sehen im CX den letzten wahren Citroën. Gebaut wurde der CX von 1974 bis 1991. Die Modelle bis 1985 mit Inox-Stoßstangen und Lupen- bzw. Walzentachos werden als Serie 1 bezeichnet. Die Serie 2 ab 1986 war u.a. mit Plastikstoßstangen, herkömmlichen Rundinstrumenten und einem völlig umgestalteten Innenraum dem Zeitgeschmack angepasst worden. Der CX war der erste Citroën, der über die sogenannten Bedienungssatelliten verfügte.
Als serienmäßige Karosserieversionen wurden produziert: Berline (herkömmliche Limousine), Limousine/Prestige (verlängerte Version Berline mit einfacher bzw. Luxusaussattung) und Break (Kombi).

granada.jpg (c) Ford

Ford Granada: Berühmt geworden ist der Ford Granada durch die legendären, schon 1964 in den Vorgängermodellen vorgestellten und ständig weiterentwickelten V6-Motoren aus Kölner Produktion. Diese wurden von Käufern des Ford Granada bevorzugt bestellt. Schon seit der Einführung der V6-Motoren und bis zum Produktionsende des Ford Granada konnte Ford die Marktführerschaft für Sechszylindermotor-Fahrzeuge in Europa erringen und verteidigen. 1977 lag der Ford-Marktanteil in Europa bei bisher nicht wieder erreichten 17,2 %. Hervorzuheben ist auch die aufwendige Fahrwerkskonstruktion mit massivem Fahrschemel vorne und Einzelradaufhängung an Schräglenkern, Schraubenfedern und Teleskopstoßdämpfern hinten. Produziert wurde der Wagen bis 1985. Nachfolgemodell ist der Scorpio.

lancia-gamma.jpg (c) Lancia

Lancia Gamma: Der Lancia Gamma wurde sowohl als Limousine mit Schrägheck (Gamma Berlina) als auch als Coupé (Gamma Coupé bzw. Gamma Gran Turismo) angeboten. Die Limousine wurde 1976 vorgestellt, das Coupé ein Jahr später im Jahr 1977. Im Jahr 1984 wurde die Produktion beider Baureihen eingestellt. Insgesamt wurden 22.090 Exemplare produziert, davon 15.292 Stück als Limousine und 6.798 Stück als Coupé. as Design des Fahrzeuges, besonders das der Limousine, war nicht unumstritten, da die gewählte Schrägheckform unkonventionell gestaltet war. So waren die hinteren Seitenscheiben sehr schmal, wodurch die C-Säule sehr massiv erschien und dem Fahrzeug ein ungewöhnliches Erscheinungsbild verlieh. Auch die Heckleuchten in Dreiecksform waren zur damaligen Zeit gewöhnungsbedürftig.

w123.jpg (c) Mercedes-Benz

Der W123: Durch die hohe Nachfrage nach dem neuen W123 kam es zu Spekulationsgeschäften mit Kaufverträgen und Neuwagen, bei denen bis zu DM 5.000,- über Listenpreis bezahlt wurden, um schneller an das Modell zu kommen. Dies hat sich in der bundesdeutschen Automobilgeschichte bei Großserienfahrzeugen bis heute nicht wiederholt. Im Vergleich dazu lag der Kaufpreis bei Markteinführung zwischen DM 18.870,- (200) und DM 26.895,- (280 E). Ein weiterer Beleg für den großen Erfolg der Baureihe ist die Tatsache, dass der Mercedes W123 als einziges Fahrzeug den VW Golf von Platz 1 der Zulassungsstatistik verdrängen konnte; 1980 sicherte sich der W123 mit 202.252 Zulassungen knapp den ersten Platz vor dem Golf mit 200.892 Zulassungen.

senator.jpg (c) Opel AG

Der Senator von Opel: Der Senator wurde von 1978 bis 1982 gebaut. Ursprünglich gab es drei Motorisierungen: den noch vom Admiral/Diplomat bekannten und überarbeiteten 2,8-Liter-Vergasermotor mit 140 PS im Senator 2,8 S, einen 3,0-Liter-Vergasermotor mit 150 PS im Senator 3,0 S und den 3,0-Liter-Einspritzmotor (180 PS) im Senator 3,0 E, der mit einer Bosch L-Jetronic ausgerüstet und dadurch erheblich leistungsfähiger war. Obwohl der Senator Publikumsmagnet auf der IAA 1977 war, sackten nach einem zunächst erfolgreichen Verkaufsstart im April 1978 die Verkaufszahlen infolge der zweiten Energiekrise schon im Jahr 1979 drastisch ab. Betroffen hiervon waren fast alle Oberklassefahrzeuge; viele Leute versuchten ihre Fahrzeuge mit hohem Kraftstoffverbrauch erfolglos zu verkaufen, um auf kleinere Fahrzeuge umzusteigen. Um auf die geänderten Kundenbedürfnisse einzugehen, änderte sich in der Werbung für die Modelle Senator das Motto „Form und Funktion“ hin zum Thema „Energiesparen“. Bereits im Jahr 1981 wurde ein kleines, vor allem „inneres“ Facelift notwendig, um das Käuferinteresse aufrechtzuerhalten.

peugeot604.jpg (c) Peugeot

Der Peugeot 604: wurde als Peugeots erstes Obere Mittelklasse modell seit 1931. Produziert zwischen den Jahren 1975 und 1985, das auto ist auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt. Im Februar 1986 endete nach 153.266 (andere Quellen nennen 153.252) produzierten Fahrzeugen die Produktion. Die ersten 604 V6 SL wurden im September 1976 ausgeliefert. Sie verwendeten die neue PRV-V6 Maschine mit 2664 cm³. Dieser Motor war der sogenannte „Euro-V6“ und wurde von Peugeot (604), Renault (R30) und Volvo (V264) gemeinsam entwickelt und eingesetzt, deshalb auch PRV. Der für einen V6 ungewöhnliche Zylinderwinkel von 90° ist der Tatsache geschuldet, dass der „Euro-V6“ zunächst als Achtzylindermotor geplant war, dem der Ölkrise von 1973 wegen zwei Zylinder weggekürzt wurden.

renault30.jpg (c) Renault

Der Renault 30: Die Entwicklung des Renault 30 begann in den 1960er Jahren. 1961 wurde der Renault 4 und 1965 der Renault 16 vorgestellt: Ein Klein- und ein Mittelklassewagen mit großer Variabilität. Schon Ende der 1960er Jahre sollte das Fahrzeugprogramm durch ein Oberklassemodell mit V8-Motor komplettiert werden. Allerdings dauerte die Entwicklung noch bis Anfang der 1970er Jahre, als schließlich aus dem Projekt P127 der Renault 30 entstand. Schlussendlich, auch im Angesicht der Ölkrise 1973/74, ließ man die Bemühungen um einen V8 fallen und entwickelte stattdessen einen V6 Motor, indem man kurzerhand zwei Zylinder wegließ.

saab900.jpg (c) SAAB

SAAB 900: Der Saab 900 I wurde 1978 als eine Weiterentwicklung des Saab 99 präsentiert. Besonderheiten waren seine hohe aktive und passive Sicherheit, und sein eigenständiges Design. Zum Produktionsbeginn 1979 wurde er nur als Fließheck-Limousine verkauft. Technische Besonderheit ist der längs eingebaute Motor mit Abtrieb nach vorne. Das Getriebe sitzt unter dem nach rechts geneigt eingebauten Motor und wird durch eine Rollenkette angetrieben.

talbot-tagora.jpg (c) Talbot

Talbot Tagora: Unter dem Projektnamen C9 wurde er durch das Planungsbüro von Chrysler Europa in Großbritannien als Nachfolger der Chrysler-Modelle 160/180 und der 2-Liter Modelle entwickelt. Nach der Übernahme von Chrysler Europa durch PSA im Jahr 1978 wurde das Modell durch den neuen Eigentümer weiterentwickelt. Im Jahre 1981 wurde der Tagora, der in vielen Bereichen mit dem Peugeot 604 baugleich war, vorgestellt und sollte das Topmodell des neu gegründeten Talbot-Bereiches werden. Der Tagora war jedoch nicht sehr erfolgreich und die Produktion wurde bereits 1983 nach insgesamt 20.133 produzierten Exemplaren eingestellt. Nach Deutschland kamen davon 3.274 Stück.

volvo-264.jpg (c) Volvo

Volvo 264: Der Volvo 240 war das Nachfolgemodell des Volvo 140, auf den er weitgehend basierte. Ein besonderes Kennzeichen war die enorm lange Bauzeit von 1974 bis 1993, also 19 Jahre lang, in der eine ständige Weiterentwicklung und Verfeinerung des Fahrzeugs stattfand. Der 240 war in den Siebziger- und Achtziger Jahren das Volumenmodell von Volvo. Vor allem auf dem US-amerikanischen Markt fand die Limousine viele Käufer, während auf dem europäischen Kontinent eher der Kombi viele Freunde hatte. Es wurden drei verschiedene Karosserievarianten gebaut: Limousine, Kombi und Coupé (letzteres war streng genommen eine zweitürige Limousine und es wurde auch schon vorzeitig aus dem Programm genommen). Produktionszahlen laut Volvo: Insgesamt 2,8 Millionen, davon ca. 1 Million Kombis, 1,6 Millionen Limousinen und ca. 200.000 Coupés.

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